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MUSEUM TROTZ CORONA, Teil 3

15. 04. 2020

Einblicke in den Arbeitsalltag eines geologischen Museumspräparators

Freilegen eines Unterkieferknochens

 

Zwar ist unser Museum aktuell für den Besucher geschlossen, doch wir blicken mit Zuversicht in die Zukunft. Hinter verschlossenen Türen geht die Museumsarbeit weiter...

 

...heute blicken wir mit der Fotokamera in unsere Präparationswerkstatt, wo Präparator Georg Sommer mit der Freilegung eines kleinen Knochens beschäftigt ist. Es handelt sich um den Unterkieferknochen eines prähistorischen Amphibienschädels aus der Gruppe der Eryopiden (Bild 3).

Gefunden wurde der Schädel nahe der Stadt Kusel in Rheinland-Pfalz. Das Fossil gehört dem dortigen Urweltmuseum GEOSKOP. Die Schädeloberseite wurde bereits durch einen US-amerikanischen Präparator freigelegt (Bild 4). Da die Unterseite wegen der oft nur Millimeter-dünnen Knöchelchen besonderes Fingerspitzengefühl erfordert, hat das GEOSKOP unseren Präparator Georg Sommer gebeten, sich der heiklen Angelegenheit anzunehmen. Gestern nahm Georg Sommer eine Teilfreilegung an einem wenige Zentimeter langen Knochenstück am linken Unterkiefer vor. Die „Bergung“ dauerte mehrere Stunden, erforderte eine ruhige Hand, jahrelange Erfahrung und ein geübtes Auge.

 

Gearbeitet wird mit einem Druckluftstichel, der – wie der Name bereits sagt – mit Druckluft winzige Stücke des Steins entfernt, der den Knochen bedeckt (Bild 5 und 6). Wichtig ist, dass mit wenig Erschütterungen gearbeitet wird, da man häufig das Gestein nur im Millimeterbereich abtragen kann, um die Knochenstruktur nicht zu zerstören. Die Arbeit ist daher nur unter einem Binokular mit 20-facher Vergrößerung möglich.

Bei aller Vorsicht unseres Präparators lassen sich gelegentliche kleinere Schäden nur selten vermeiden. Auch hier verzagt Georg Sommer nicht. Er bedient sich eines Cyanacrylatklebers (im Volksmund auch Sekundenkleber genannt), den er mit einer filigranen Nadel aufträgt, um winzige Risse zu schließen und die fossilen Knochen zu stabilisieren (Bild 7).

 

Mit viel Geduld und großer Expertise hat unser Präparator Georg Sommer nach beinahe siebenstündiger Arbeit die Herausforderung gemeistert (Bild 8): Der linke Unterkiefer ist vom Stein befreit und beinahe sieht es so aus, als würde die prähistorische Amphibie zufrieden lächeln...

 

Einen weiteren optischen und vor allem akustischen Eindruck von der Arbeit in unserer Werkstatt erhalten Sie in unserem Video.

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: MUSEUM TROTZ CORONA, Teil 3

Fotoserien zu der Meldung


Präparieren eines Amphibienkiefers (15. 04. 2020)