Forschung

Die Forschubauenngsarbeit des NaturHistorischen Museums konzentriert sich exemplarisch auf ausgewählte Schwerpunkte der naturkundlichen und regionalgeschichtlichen Sammlungen und Ausstellungen (Bestandsforschung). Daraus leiten sich die Feldforschung, verbunden mit Exkursionen, Ausgrabungen und Präparation, Recherche- und Vergleichsarbeiten sowie Vorträge und Veröffentlichungen zu relevanten Themen ab. Viele der naturkundlichen Forschungsergebnisse sind in den Veröffentlichungen des Naturhistorischen Museums Schleusingen / Semana sowie in nationalen und internationalen Fachzeitschriften publiziert.


Forschungsschwerpunkte:

  • fossile Conchostraken (Dr. Frank Scholze)

  • Sedimentologie, Paläontologie und Stratigraphie im Rotliegend, Zechstein und Buntsandstein in Thüringen (Dr. F. Scholze)

  • Geschichte der Grafen von Henneberg im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit (Dr. Janis Witowski)

  • Hennebergische Gymnasialbibliothek (Dr. J. Witowski und Gastforscher*innen)

  • Wirbeltiere aus dem Karbon und Perm sowie der Trias (Dr. Ralf Werneburg)

  • "Edle Steine" (Jaspise und Achate) der Sammlung des Meininger Herzogs Anton Ulrich und ihre historischen Originalfundstätten (Ralf Schmidt aus Suhl, ehrenamtlicher Mitarbeiter*innen).

 

Aktuelles Projekt aus dem Bereich Naturkunde

„Biostratigraphie permischer und triassischer Conchostraken“

Bearbeiter: Dr. F. Scholze


Für die Biostratigraphie kontinentaler Sedimente aus dem Perm und der Trias sind die Conchostraken (Crustacea: Branchiopoda: Diplostraca) eine gut geeignete Tiergruppe. Charakteristische Arten können paläogeographisch weit verbreitet sein, bei geringer stratigraphischer Reichweite. Zur taxonomischen Bestimmung der oftmals nur wenige Millimeter kleinen Carapax-Schalen braucht es geeignete Mikroskope, am besten mit Zeichenspiegel, digitaler Mikroskopkamera und spezieller Beleuchtung. Wenn nur wenige Individuen zur Untersuchung verfügbar sind, aber diese eine hohe Variabilität ihrer Schalenmorphologie aufweisen (aufgrund innerartlicher und/oder erhaltungsbedingter Variabilität), kann auch eine formenbasierte Nomenklatur verwendet werden. Ziel des Projektes ist die Verfeinerung der biostratigraphischen Zonierung, mittels Gruppen von biostratigraphisch charakteristischen Arten/Formen.

 

„Ausgewählte Aspekte fossiler Conchostraken“

Bearbeiter: Dr. F. Scholze


Während Kenntnisstände zur Taxonomie und Biostratigraphie der fossilen Conchostraken gegenwärtig vergleichsweise hoch sind, scheinen andere Aspekte bisher nur unvollständig verstanden, so z.B. Bedingungen der Assoziationen spezifischer Begleitfossilien (u.a. Fische, Amphibien, Ostrakoden, Koprolithe), Anatomie fossiler Krebstierkörperteile („Weichteile“), paläoökologische Adaptionen (u.a. Salinität) und die Taphonomie der Schalen (u.a. Diagenese, Mineralisationen, Farbe der Substanz, Karbonatgehalte im Sediment). Es handelt sich um ein langfristiges Projekt, welches auf die Bestände in der Sammlung des Schleusinger NaturHistorischen Museums fokussiert.

 

„Aufschlüsse im Oberrotliegend in Thüringen“

Bearbeiter: Dr. F. Scholze


Das Projekt beinhaltet Feldforschung (Aufsuchen von geologischen Aufschlüssen), digitale Verarbeitung der erhobenen Daten (Koordinaten der Aufschlüsse, Fallrichtung/Fallwinkel, Aufschlussfotos), Georeferenzierung der Aufschlüsse (mittels GIS-Software), Abgleich mit amtlichen geologischen Karten (Lithostratigraphie); ggf. werden Vorkommen von Fossilen dokumentiert; erste Ergebnisse in Form von Tagungsbeiträgen und kleinen Veröffentlichungen präsentiert. Hierzu zählen beispielsweise im Thüringer Wald die Sedimentbecken bei Tambach-Dietharz und Elgersburg.

Aktuelles Projekt aus dem Bereich Geschichte

„Frauen im Bauernkrieg"

Bearbeiter: Dr. J. Witowski

 

Die Rolle von Frauen im sogenannten Bauernkrieg von 1525 ignoriert zu haben, ist kein Vorwurf, den man den Geschichtswissenschaften machen könnte. Besonders die jüngere Forschung hat die Frauen wiederholt thematisiert. Diesbezügliche Studien sind jedoch meist zu dem Ergebnis gelangt, dass die Aufstände eine Angelegenheit der Männer waren, in denen die Frauen bestenfalls Zuschauerinnen und schlechten Falls Opfer von Gewalt und Plünderungen gewesen seien. Als Belege wurden meist programmatische Schriften herangezogen, in denen die weibliche Perspektive wenig Beachtung fand, sowie auf die fehlende Präsenz von Frauen in den Bauernhaufen verwiesen.

Doch ein breitgefächerter Blick in die Quellen – insbesondere in jene, die ausschließlich archivalisch überliefert sind – zeigt, dass Frauen während der Ereignisse von 1525 vielseitiger in Erscheinung traten als allgemeinhin zu vermuten wäre: Sie leiden unter gewalttätigen Übergriffen, fügen selbst aber auch Gewalt zu. Zuweilen beteiligten sie sich aktiv am Aufstandsgeschehen, wenn sie etwa die herrschaftlichen Teiche leerfischten und den Fang anschließend bei einer demonstrativen Mahlzeit verzehrten. Nach der Niederschlagung der Aufstände waren es vor allem die Ehefrauen, die sich mit Worten und Taten für die Freilassung ihrer gefangenen Männer einsetzten. 

Das quantitative Quellenstudium zeigt, dass die Rolle(n) von Frauen im Bauernkrieg zwischen Passivität und Aktivität munter oszillierte(n). Grund genug, die Frauen im Bauernkrieg genauer in den Blick zu nehmen.

 

 

Plakat Tagung Ze Vezzer
Programm Ze Vezzer

Aktuelle Forschung

 

Wissenschaftliche Tagung: Ze Vezzer vor der Henneberger sarken. Literatur im Umfeld der Grafen von Henneberg und ihres Hausklosters Veßra

Die dreitägige Fachtagung gilt einer ersten Sichtung und Sicherung der im Spannungsfeld von Kloster Veßra und der hennebergischen Residenz in Schleusingen entstandenen vorreformatorischen Literatur- und Buchkultur.

 

Die Tagung versucht, anhand von Einzelbeispielen, das Fundament für eine Geschichte der lokalen bzw. regionalen Literatur- und Bibliotheksgeschichte zu legen.

 

Veranstaltungsorte: Hennebergisches Museum Kloster Veßra und NaturHistorisches Museum Schloss Bertholdsburg (Historisches Museum)