PUBLIKATIONEN

Veröffentlichungen des
Naturhistorischen Museums Schleusingen

Periodicum mit biologischen und geologischen Beiträgen zur Naturgeschichte Thüringens

(ISSN 0863-6338)


Band 25, 2010 (106 Seiten, Preis: 8 €)

Dieses Heft enthält folgende Beiträge:


SCHMIDT, K.
Die Beutelmeise (Remiz pendulinus) als Brutvogel in SW-Thüringen (S. 3-9)

Zusammenfassung
Die ursprünglich in Asien verbreitete Beutelmeise hatte in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts eine großräumige Arealexpansion in westliche Richtung, die zu einer überraschenden Besiedlung Mitteleuropas führte. In SW-Thüringen wurden Beutelmeisen zunächst ab 1960 als Durchzügler, später ab 1985 als regelmäßiger Brutvogel der Werraaue und weniger anderer Auenbiotope beobachtet. Die höchste Siedlungsdichte wurde um 1992 erreicht. Seitdem geht der Bestand deutlich zurück. Kunstvolle Brutnester werden von den Beutelmeisen an Seen, Kiesgruben und Fließgewässern an herabhängenden Zweigenden von Uferbäumen aus Pflanzenfasern gebaut. Aktuelle Brutvorkommen befinden sich an einem Kiessee bei Immelborn im Wartburgkreis.


BRETTFELD R., MÜLLER, R. & UNGER Ch.:
Zur Tierwelt der Hutelandschaft Rodachaue (Teichwiesen) bei Stressenhausen (S. 11-26)

Zusammenfassung

Die Entstehung des Projektes „Hutelandschaft Rodachaue“ bei Stressenhausen wird kurz dargestellt. Es steht als ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeide Straufhain mit dem ansässigen Landwirtschaftsbetrieb und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Hildburghausen.
Im Gebiet der Teichwiesen – als Teil des EG-Vogelschutzgebietes „Rodachaue mit Bischofsau und Althellinger Grund“ – wurde eine extensive Ganzjahresbeweidung mit Heckrindern und Koniks als zielführend zum Erhalt des Schutzgebietes und zur Entwicklung der Biodiversität ab 2009 begonnen.Begleitet wird das Projekt durch ein umfangreiches Arten-Monitoring seit 2009 und durch Öffentlichkeitsarbeit.

Im ersten Teil mehrerer geplanter Publikationen wird hier die Vogelwelt (Avifauna) des Gebietes dargestellt.
2009 wurden an den Teichwiesen an 47 Beobachtungstagen insgesamt 94 Vogelarten registriert. Mit den aus den Vorjahren seit 1998 getätigten Beobachtungen sind nun 125 Vogelarten aus den Teichwiesen bekannt. Unter diesen sind 20 Arten des Anhang I der EG-Vogelschutzrichtlinie, die die Bedeutung der Teichwiesen als Teil des EG-Vogelschutzgebietes unterstreichen.
44 Arten wurden 2009 als Brutvögel bestätigt. Unter diesen sind 3 in Thüringen vom Aussterben bedrohte Arten: Bekassine, Kiebitz und Wachtelkönig. Von Bekassine und Wachtelkönig wurden 3 bzw. 4 Reviere im Gebiet registriert, sowie eins vom Kiebitz.
Weitere bedeutsame Brutvögel der Teichwiesen sind die bodenbrütenden gefährdeten Arten Braun- und Blaukehlchen, Feldlerche, Schafstelze, Grauammer und Wiesenpieper, sowie Rebhuhn und Wachtel.
Die genannten Arten können als Bodenbrüter in der intensiv genutzten Kulturlandschaft nur schwierig überleben und sind auf Refugien mit extensiver Bewirtschaftung – wie die Teichwiesen – angewiesen.
Die Teichwiesen sind infolge regelmäßiger Überschwemmungen für durchziehende Wasservogelarten als Zwischenrastplatz von Bedeutung, aber auch als Nahrungshabitat für weitere Durchzügler und Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung. So konnten 2009 u.a. 46 Sing- und 1 Zwergschwan, 7 Silberreiher, 9 Enten- und 4 Limikolenarten, Baumfalke, Korn-, Rohr- und Wiesenweihe, Rot- und Schwarzmilan, Weiß- und Schwarzstorch, Schwarzkehlchen, Steinschmätzer, Wendehals, sowie der Ortolan im Gebiet beobachtet werden.




HOLZHEY,G.:
Bruchdeformationen an Rhyolithkugeln und ihrer Achate innerhalb der Randfazies rhyolithischer Rotliegendvulkanite des Thüringer Waldes
(S. 27-40)

Zusammenfassung
Rhyolithkugeln mit Achaten dokumentieren spezifische Merkmale der Sphärolithzonen innerhalb der vulkanischen Randfazies von dom-und stromförmigen rhyolithischen Vulkanitkörpern des Unterrotliegend. Der vorliegende Beitrag behandelt ausgewählte Vorkommen im nordwestlichen bis mittleren Thüringer Wald, welche stratigraphisch dem „Meisensteinporphyr“ der Ilmenau-Formation, den Älteren Oberhöfer Quarzporphyren und dem Regenbergstein-Porphyr der Oberhof-Formation sowie dem „Kombergporphyr“ der Rotterode-Formation zuzuordnen sind. An  Anschliffen von Rhyolithkugeln dieser Vorkommen werden die verschiedenen Bruchdeformationen (rupturellen Deformationen) bis hin zu Brekziierungen, welche sich auf die Kugelhülle und teilweise auf den  Achat beziehen, beschrieben und interpretiert. Die rupturellen Deformationen der Kugelhülle folgten in Abhängigkeit von ihrer faziellen Einordnung zeitlich der sphärolithischen Kristallisation der Rhyolithkugeln, wobei letztere im Transformationstemperatur-Intervall der vitro-phyrischen kieselsäurereichen Schmelze vor sich ging. Damit stehen die Deformationen der Kugeln, die im hochviskosen, zähplastischen bis teils brüchigen Zustand der Schmelze vor sich gingen, in Abhängigkeit zur differenzierten Viskosität in den Randbereichen der einzelnen rhyolithischen Vulkanitkörper. Die im vorliegenden Beitrag abgehandelten Bruchdeformationstypen werden von den jaspisartigen Bildungen einschließlich der Rhyolith-Bodenbrekzien abgegrenzt.
Die Deformationen, welche durch eine Zerteilung und besonders eine teilweise Brekziierung der rhyolithischen Kugelhülle unter Einbeziehung des wandgebänderten Achats charakterisiert werden (Bruchdeformationstyp A 1, Tab. 2), sind ursächlich mit den spezifischen Platznahmeprozessen der Lava in Teilbereichen der oberen Randfazies vulkanischer Dome, wie beispielsweise bezüglich des Felsenschlags bei Gehlberg, verbunden. Dieser Typ ruptureller Deformationen stellt das Ergebnis von Vorgängen der Autobrekziierung im Bereich der Sphärolithzonen dar. Eine Einbeziehung des horizontal-gebänderten Achats war dabei nicht zu beobachten. Die Platznahmevorgänge der Lava waren vor Ausbildung dieses Achat-Gefügetyps bereits abgeschlossen. Bei Rhyolithkugeln, welche innerhalb der unteren Randbereiche der betreffenden dom-und stromförmigen Vulkanitkörper vorkommen, sind demgegenüber ausschließlich die Kugelhüllen durch die noch in Bewegung befindliche Lava zerschert und teilweise bis hin zur Brekziierung rupturell deformiert worden, wobei erst danach die Achatbildung erfolgte (Typ A 2, Tab. 2), wie beispielsweise die Vorkommen im Baumgartental bei Schmerbach und nahe Nesselhof dokumentieren.
Im Gegensatz zu den beiden oben genannten Bruchdeformationstypen finden sich sehr selten rupturell nicht deformierte Rhyolithkugeln vor allem innerhalb der oberen Randfazies einzelner vulkanischer Dome, welche dennoch brekziierten Achat vom überwiegend wandgebänderten Typ aufweisen (Typ B, Tab.2). Bisher konnten solche Achate teils als Bodenbrekzien in Rhyolithkugeln für Fundgebiete bei Gehlberg, Finsterbergen und Rotterode nachgewiesen werden. Auf weitere seltene Funde burchdeformierter Achate von außerhalb des Thüringer Waldes wird gleichfalls Bezug genommen. Ihre Herausbildung ist wahrscheinlich mit örtlich begrenzten Veränderungen der p/t-Bedingungen im Inneren einzelner Rhyolithkugeln in Verbindung zu bringen und bedarf weiterer Untersuchungen.

Summary
Agate-bearing rhyolitic spherulites within lower Rotliegend volcanic rocks of the Thuringian Forest demonstrate specific features of spherulite zones associated with the volcanic marginal facies which is located near the borders of rhyolitic volcanic domes and lava flows. In this paper reference is made to selected localities distributed at the „Mei-senstein Porphyry“ (Ilmenau formation), at the Older Oberhof Quartz Porphyries and Regenbergstein Porphyry (Oberhof formation) and at the„Komberg Porphyry“ (Rotterode formation). The localities are exposed in the northwestern to the middle part of the Thuringian Forest. Polished sections of rhyolitic spherulites including their agates from localities located in these regions are described and interpreted. They demonstrate various rupture deformations of the fractured and brecciated rhyolitic spherulite-rind and partly of the agate. The rupture deformations of rhyolitic spherulites are integrated in past of the crystallization of spherulites at transformation temperatur interval of the vitrophyric silica-rich melt. For this reason the deformation processes which ceased still above the solidus of melt are dependent on differen-ces in viscosity of the generally highly viscous lava at the margins of rhyolitic volcanic bodies. The described defor-mations are distinguished from jasper and basal breccias composed of fragments of the rhyolitic spherulite-rind which were deposited at the „bottom“ of the former expanded central cavity of spherulites.The deformation processes of rhyolitic spherulites which are demonstrated by fracturing and in particular by a partial brecciation of the spherulite-rind including the wall-banded agate (type A 1 of rupture deformations, comp. table 2) are connected with specific processes of lava emplacement within parts of the upper marginal facies of volcanic domes just like at the Felsenschlag region nearby Gehlberg for instance. This deformation-type is the result of autobrecciation processes relating to rhyolitic spherulites hosted within the spherulite zones as parts of the upper volcanic marginal facies. However, the brecciation of the horizontally layered agate type wasn`t observed. The emplacement processes of lava were completed before this agate type was generated. Further there are rhyolitic spherulites located in the lower level of volcanic domes and of silica-rich lava flows which are characterized by fractured spherulite-rinds only and agate was filled in between later on (type A 2, table 2) like it is represented at localities nearby Schmerbach and Nes-selhof. The fracturing of rhyolitic spherulites especially along shear plains parallel to the flow bands of host-rock and their partial brecciation occured during flow of lava. In contrast, there are very rare non-fractured rhyolitic spherulites hosted above all within the upper marginal facies of some volcanic domes which demonstrate predominantly brecciated wall-banded agate nevertheless (type B, table 2). The generated agate breccia is located partly at the „bottom“ of the interior of spherulites which were observed at  regions nearby Gehlberg, Finsterbergen and Rotterode until now. In addition to these examples other examples from outside of the Thuringian Forest are shown. The brecciated chalcedony and agate respectively in the interior of these non-fractured rhyolitic spherulites indicates probably local changes of the p/t-conditions relating to the central cavity of unique spherulites on which further investigations are necessary.



BARTHEL, M., KRINGS, M. & RÖßLER, R.:
Die schwarzen Psaronien von Manebach, ihre Epiphyten, Parasiten
und Pilze
(S. 41-60)


Zusammenfassung

Die schwarzen Psaronien von Manebach sind fossile Stämme großer Baumfarne aus dem Rotliegenden. Vor 200 Jahren entdeckt und damals als schöne „Staarensteine“ in viele klassische Sammlungen der Paläobotanik aufgenommen, sind sie bis heute Ziel der paläontologischen Forschung. Aber erst jetzt ist es nach verschiedenen Präparationen gelungen, bei einem 1938 aus dem alten Flussbett der Ilm geborgenen Stamm das Zentrum mit seinen Leitbündeln zu untersuchen. Diese Stele ist sehr klein und die wenigen Leitbündel sind spiralig locker angeordnet. Die Art unterscheidet sich von anderen durch mächtige Platten von Stützgewebe im Stammzentrum und wird auf Grund dessen hier als eine neue Art beschrieben: Psaronius gimmii, genannt nach Otto Gimm, einem großen Sammler und Freizeitforscher des Thüringer Waldes. Es ist die Stammbasis eines hohen Baumfarnes, der im unteren Teil von einem mächtigen, zweischichtigen Wurzelmantel umhüllt ist. In dessen äußeren Schichten klettern epiphytische Farne und Farnsamer empor. Unbekannte Gliederfüßer haben als Parasiten die Zellgewebe der Wurzeln zerfressen und Koprolithen hinterlassen. Auch haben sich dort verschiedene, im Rotliegenden noch unbekannte endophytische Pilze angesiedelt. Die Erhaltung der Fossilien ist ungewöhnlich gut und muss durch eine sehr frühe Verkieselung des noch aufrecht stehenden Stammes erfolgt sein. Woher die kleinen schwarzen Bitumen- oder Teer-Tröpfchen im Quarz (Chalzedon) der Versteinerung stammen, ist noch rätselhaft. Der Nachweis von Kletterpflanzen und parasitischen Pilzen an fossilen Baumstämmen in solch anatomisch hervorragender Qualität ist neu für Thüringen und eröffnet künftigen Forschungen viele Möglichkeiten und Verpflichtungen.

Summary:
The black Psaronius specimens from Manebach represent Early Permian (Asselium) permineralized/silicified stems and root mantle fragments with exquisite anatomical preservation from the late Variscian Thuringian Forest Basin (Thuringia, Germany). The specimens originate from a siliceous permineralized coal seam within the Manebach Formation, but have not been found in situ; rather, they were discovered in the river bed of the Ilm River . The locality belongs to the source region of many of the Early Permian compression plant species described by E.F. von Schlotheim.
The inner portion of the root mantle consists of the typical “Staarensteine” (starling stones) of the early collectors and researchers around 1800. The origin of this popular term derivates from the fact, that the voids resulting from the disintegration of the root aerenchymas is secondarily filled with white Chalcedony, which reminded the collectors of the chest plumage of the European Starling The black-colored Psaronius specimens have historically been assigned to P. haidingeri Stenzel 1854. However, this assignment had no real basis in fact since only root mantle segments but no stems showing the organization of the stele had been known. In 1938, Mägdefrau discovered the first complete stem base, which he mentioned, but did not describe in detail, in his well-known German textbook. As a result of hydrofluoric acid-etching of a polished surface of this specimen, we have uncovered details of the stele and associated tissues. The actual stem is narrow in diameter and surrounded by a sclerenchyma sheath that shows several interruptions. The vascular tissue is organized in 2 to 3 rings (di- to tricyclic), each consisting of a few narrow, band-like meisteles. Sclerenchyma plates occur between the peripheral and central meristeles. Based on the distinctness from other Psaronius species that contain leaf traces in a 3 and 5 helical phyllotaxis, we propose a new species, P. gimmii n. sp., for this specimen. It is not possible to trace the ontogenetic development of the stele since the material is limited to a single transverse section. Nevertheless, the extensive root mantle in comparison to the very small stele indicates that Mägdefrau’s fossil represents the base of a stem. The peripheral portion of the root mantle forms its own ecosystem as demonstrated by the presence of numerous axes, petioles, and roots of epiphytic ferns and seed ferns. Moreover, all tissues of the roots, as well as the cortical tissues between the individual roots, are colonized by a diverse assemblage of endophytic fungi from several taxonomic groups. In addition, most of the roots in the periphery of the root mantle contain coprolites produced by some unknown arthropods. Taphonomic observations suggest to us that the black Psaronius specimens were permineralized in situ and that fossilization occurred either when the trees were alive, or shortly after death.



SCHNEIDER, J. W. & WERNEBURG R.:
Arthropleura
, der größte landlebende Arthropode der Erdgeschichte - neue Funde und neue Ideen (S. 61-86)


Zusammenfassung
Der gigantische, bis 2,5 m lange Arthropode Arthropleura war mindestens vom späten Visean des Unter-Karbon bis zum tieferen Unter-Rotliegend bzw. frühen Perm für mehr als 35 Millionen Jahre ein häufiges Faunenelement in den kontinentalen Biotopen des Jungpaläozoikum. Die Funde von Manebach im Unter-Rotliegend des Thüringer Wald-Beckens dokumentieren sein wahrscheinlich letztes Vorkommen. Sie sind jedoch vor allem deshalb interessant, weil sie nicht wie die Mehrzahl der übrigen Funde auf Halden des Steinkohlenbergbaues gefunden, sondern aus dem Anstehenden geborgen wurden. Arthropleura ist in der Manebach-Lokalität in Schluffsteinen der Flussauen überliefert, welche bei Rückgang der Fluten von Hochwasser-Ereignissen abgelagert wurden. Diese Schluffsteine enthalten eine Flora, die repräsentativ für die Vegetation der Flussufer und Überflutungsebenen außerhalb der kohlebildenden Moore ist. Kiesig-sandige Flussrinnen-Sedimente im Profil lieferten Skelettreste von um 1,5 m langen eryopiden Amphibien und (selten) von pelycosauriden Reptilien (Synapsiden). Die Analyse von Arthropleuriden-Fährten, zumeist in Rotsedimenten von Nordamerika gefunden, unterstützt die Lebensraum-Rekonstruktion: Arthropleura lebte zusammen mit semiaquatischen Eryopiden und terrestrischen Pelycosauriern bevorzugt in Flusslandschaften mit lockerer, zumeist von Calamiten dominierter Vegetation in einem relativ breiten Klima-Spektrum von immerfeucht humid bis saisonal trocken semihumid. Der Gigantismus einiger Arthropoden des Paläozoikums, wie der von bis zu 2,5 m langen marinen Eurypteriden im frühen Devon, der riesigen Insekten, wie Meganeura, im Karbon und auch der von Arthropleura, wird oft auf angeblich erhöhten Sauerstoffgehalt der Atmosphäre in diesem Zeitraum zurückgeführt. Dies trifft jedoch nicht zu, da Tracheen-Atmung nicht passiv per Diffusion allein erfolgt, sondern aktives Pumpen einschließt. Der Gigantismus scheint vielmehr die Cope´sche Regel zu bestätigen, welche besagt, dass Riesenwuchs Vorteile in der Evolution verschaffen kann. Wir vermuten, dass der Riesenwuchs von Arthropleura aus einem Räuber-Beute-“Wettkampf” mit Amphibien und Reptilien resultierte, in dem die vermutlich selbst räuberische karnivore Arthropleura letztlich jedoch gegen die zunehmend agileren Reptilien unterlag. Das Aussterben dieses größten jemals auf der Erde lebenden Arthropoden wurde jedoch vor allem durch ein phasenhaft zunehmend arideres Klima verursacht, das seine Lebensräume im frühen Perm verschwinden lies.


Summary
The giant up to 2.5 m long arthropod Arthropleura was a common element of late Paleozoic continental biota of the paleo-equatorial belt throughout more than 35 million years time span of its occurrence from the Early Carboniferous late Visean (FOD; Middle Mississippian, Asbian/Brigantian) to the Early Permian Lower Rotliegend (LOD = ?LAD; Asselian). The finds from the Lower Rotliegend locality Manebach of the Thuringian Forest Basin probably represent its stratigraphically youngest occurrence. These fossils are extraordinary because they have not been collected from coal mining dumps as most previous finds but have been excavated from bedrock. The Manebach specimens of Arthropleura occur in siltstones of river lowlands which have been deposited during the decline of the water level after a high-water event. These siltstones include a flora which is representative for riverbank and floodplain vegetation outside the peatforming swamps. Gravelly to sandy channel deposits yielded skeletal remains of about 1.5 m large eryopid temnospondyls and (rarely) pelycosaurid synapsids. The analysis of arthropleurid trackways, which are mainly known from North American red beds, confirm this habitat reconstruction: Arthropleura co-occurred with semi-aquatic eryopids and terrestrial pelycosaurs in open river landscapes with loose vegetation that was most often dominated by calamites. These palaeoenvironments occurred in a broad range of climatic conditions from ever-humid to semihumid and seasonally dry. The gigantism of some Palaeozoic arthropods, such as the 2.5 long marine eurypterids from the Early Devonian, large insects like Meganeura from the Carboniferous, and Arthropleura, has often been related to the allegedly higher oxygen concentration of the atmosphere during late Paleozoic times. Yet this explanation is inadequate given the functioning of trachea expiration which not exclusively relies on diffusion but also includes active pumping. In fact the gigantism appears to be more in accordance with Cope’s rule which says that the evolution of gigantism can have advantages. We assume that the gigantism of Arthropleura is the result of a predator-prey competition with amphibians and reptiles in the course of which the predaceous Arthropleura succumbed to the increasingly agile tetrapods. However, the extinction of this largest-ever arthropod was primarily caused by a stepwise increase in aridity which led to the disappearance of its habitats in the Early Permian.




REIN, S. & WERNEBURG, R.:
Parapinacoceras
und Gymnites (Ammonoidea) aus der enodis/posseckeri-Zone im Oberen Muschelkalk (Mitteltrias, Ladin) Thüringens (S. 87-100)


Zusammenfassung

Aus der enodis/possseckeri-Zone des Oberen Muschelkalks in Thüringen werden erstmals alpine oxycone Ammoniten der Familien Pinacoceratidae Mojsisovics 1879 und Gymnitidae Waagen 1895 nachgewiesen. Die Immigranten sind Morphen der Gattungen Parapinacoceras Diener 1916 und Gymnites Mojsisovics 1882. Sie werden nach erfolgter reproduktiver Isolation im Oberen Muschelkalk-Meer Thüringens als neue Arten Parapinacoceras thiemei n. sp. und Gymnites brunzeli n. sp. beschrieben. Der im Vergleich mit Parapinacoceras aspidoides um ein Adventivelement vergrößerte Zerschlitzungsgrad des Externsattels von Parapinacoceras thiemei n. sp. belegt seine phylogenetische Weiterentwicklung. Folglich sind die Rotkalke der Schiechlingshöhe aus dem Anis/Ladin Übergangsbereich älter als die damit gesichert ins Ladin zu stellende enodis/posseckeri-Zone. Der Übergangsbereich im Liegenden zur spinosus-Zone entspricht jedoch nicht gleichzeitig der Anis/Ladin-Grenze. Eine zeitlich eng begrenzte Korrelation zur Anis/Ladin-Grenze der Tethyalen Trias lässt die endemische Entwicklung im Germanischen Becken nicht zu. Sie dürfte nach dem Fund eines Flexoptychites in Nordwürttemberg (Urlichs & KurzweilSpiriferina-Bank liegen.1997) jedoch nur wenig über der Spiriferina-Bank liegen.


Summary
Alpine oxycone ammonites of the families Pinacoceratidae Mojsisovics 1879 and Gymnitidae Waagen 1895 are firstly presented from the enodis/posseckeri-zone of Upper Muschelkalk (Middle Triassic, Ladinian) in Thuringia. The immigrants are morphs of the genera Parapinacoceras Diener 1916 and Gymnites Mojsisovics 1882. They are described after reproductive isolation in the Upper Muschelkalk-Sea of Thuringia as the new species Parapinacoceras thiemei n. sp. and Gymnites brunzeli n. sp.
The more advanced shape of sutures in Parapinacoceras thiemei n. sp. corroborates the Ladinian age of the enodis/posseckeri-zone, because Parapinacoceras aspidoides from the Red Limestone of Schiechlingshöhe near Hallstatt from the Anisian/Ladinian-boundary is phylogenetically more primitive and therefore biostratigraphically older.
But the transitional region below the spinosus-zone is not automatically equivalent with the boundary of Anisian and Ladinian. The endemic development in the Germanic Basin
does not permit a detailed correlation to the Anisian/Ladinian-boundary in the Tethyal Triassic. It is probably positioned only few above the Spiriferina-bed according to the find of Flexoptychites in northern Württemberg (Urlichs & Kurzweil 1997).



FRANK GÜMBEL:
Zwei Libellenreste (Odonata, Anisoptera) aus dem Unter-Miozän des Dietrichsberg-Maar, nördliche Rhön (S. 101- 103)







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