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PUBLIKATIONEN
Veröffentlichungen
des
Naturhistorischen Museums Schleusingen
Periodicum mit biologischen und geologischen Beiträgen zur
Naturgeschichte Thüringens
(ISSN 0863-6338)
Band 25, 2010 (106
Seiten, Preis: 8 €)
Dieses Heft
enthält folgende Beiträge:
SCHMIDT,
K.
Die
Beutelmeise (Remiz pendulinus)
als Brutvogel in SW-Thüringen (S. 3-9)
Zusammenfassung
Die ursprünglich in Asien verbreitete Beutelmeise hatte in
der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts eine großräumige
Arealexpansion in westliche
Richtung, die zu einer überraschenden Besiedlung Mitteleuropas
führte. In SW-Thüringen
wurden Beutelmeisen zunächst ab 1960 als Durchzügler,
später ab 1985 als
regelmäßiger Brutvogel der Werraaue und weniger anderer
Auenbiotope beobachtet.
Die höchste Siedlungsdichte wurde um 1992 erreicht. Seitdem geht
der Bestand
deutlich zurück. Kunstvolle Brutnester werden von den Beutelmeisen
an Seen,
Kiesgruben und Fließgewässern an herabhängenden
Zweigenden von Uferbäumen aus
Pflanzenfasern gebaut. Aktuelle Brutvorkommen befinden sich an einem
Kiessee
bei Immelborn im Wartburgkreis.
BRETTFELD
R., MÜLLER,
R. & UNGER Ch.:
Zur Tierwelt
der Hutelandschaft Rodachaue (Teichwiesen) bei Stressenhausen (S. 11-26)
Zusammenfassung
Die Entstehung des Projektes „Hutelandschaft Rodachaue“ bei
Stressenhausen wird kurz dargestellt. Es steht als ein
Gemeinschaftsprojekt der
Gemeide Straufhain mit dem ansässigen Landwirtschaftsbetrieb und
der Unteren
Naturschutzbehörde des Landkreises Hildburghausen.Im
Gebiet der Teichwiesen – als Teil des
EG-Vogelschutzgebietes „Rodachaue mit Bischofsau und Althellinger
Grund“ –
wurde eine extensive Ganzjahresbeweidung mit Heckrindern und Koniks als
zielführend zum Erhalt des Schutzgebietes und zur Entwicklung der
Biodiversität
ab 2009 begonnen.Begleitet wird das Projekt durch ein
umfangreiches
Arten-Monitoring seit 2009 und durch Öffentlichkeitsarbeit.
Im ersten Teil mehrerer geplanter
Publikationen wird hier
die Vogelwelt (Avifauna) des Gebietes dargestellt.
2009 wurden an den Teichwiesen an 47 Beobachtungstagen
insgesamt 94 Vogelarten registriert. Mit den aus den Vorjahren seit
1998
getätigten Beobachtungen sind nun 125 Vogelarten aus den
Teichwiesen bekannt.
Unter diesen sind 20 Arten des Anhang I der EG-Vogelschutzrichtlinie,
die die
Bedeutung der Teichwiesen als Teil des EG-Vogelschutzgebietes
unterstreichen.
44 Arten wurden 2009 als Brutvögel bestätigt. Unter diesen
sind 3 in Thüringen vom Aussterben bedrohte Arten: Bekassine,
Kiebitz und
Wachtelkönig. Von Bekassine und Wachtelkönig wurden 3 bzw. 4
Reviere im Gebiet
registriert, sowie eins vom Kiebitz.
Weitere bedeutsame Brutvögel der Teichwiesen sind die
bodenbrütenden gefährdeten Arten Braun- und Blaukehlchen,
Feldlerche,
Schafstelze, Grauammer und Wiesenpieper, sowie Rebhuhn und Wachtel.
Die genannten Arten können als Bodenbrüter in der
intensiv genutzten Kulturlandschaft nur schwierig überleben und
sind auf
Refugien mit extensiver Bewirtschaftung – wie die Teichwiesen
– angewiesen.
Die Teichwiesen sind infolge regelmäßiger
Überschwemmungen
für durchziehende Wasservogelarten als Zwischenrastplatz von
Bedeutung, aber auch
als Nahrungshabitat für weitere Durchzügler und Gäste
aus der näheren und
weiteren Umgebung. So konnten 2009 u.a. 46 Sing- und 1 Zwergschwan, 7
Silberreiher, 9 Enten- und 4 Limikolenarten, Baumfalke, Korn-, Rohr-
und
Wiesenweihe, Rot- und Schwarzmilan, Weiß- und Schwarzstorch,
Schwarzkehlchen,
Steinschmätzer, Wendehals, sowie der Ortolan im Gebiet beobachtet
werden.
HOLZHEY,G.:
Bruchdeformationen an Rhyolithkugeln und ihrer Achate
innerhalb der Randfazies rhyolithischer Rotliegendvulkanite des
Thüringer Waldes
(S. 27-40)
Zusammenfassung
Rhyolithkugeln mit Achaten
dokumentieren spezifische Merkmale der Sphärolithzonen innerhalb
der
vulkanischen Randfazies von dom-und stromförmigen rhyolithischen
Vulkanitkörpern des Unterrotliegend. Der vorliegende Beitrag
behandelt
ausgewählte Vorkommen im nordwestlichen bis mittleren
Thüringer Wald, welche
stratigraphisch dem „Meisensteinporphyr“ der
Ilmenau-Formation, den Älteren
Oberhöfer Quarzporphyren und dem Regenbergstein-Porphyr der
Oberhof-Formation
sowie dem „Kombergporphyr“ der Rotterode-Formation
zuzuordnen sind. An Anschliffen von
Rhyolithkugeln dieser
Vorkommen werden die verschiedenen Bruchdeformationen (rupturellen
Deformationen) bis hin zu Brekziierungen, welche sich auf die
Kugelhülle und
teilweise auf den Achat beziehen,
beschrieben
und interpretiert. Die rupturellen Deformationen der Kugelhülle
folgten in
Abhängigkeit von ihrer faziellen Einordnung zeitlich der
sphärolithischen
Kristallisation der Rhyolithkugeln, wobei letztere im
Transformationstemperatur-Intervall der vitro-phyrischen
kieselsäurereichen
Schmelze vor sich ging. Damit stehen die Deformationen der Kugeln, die
im
hochviskosen, zähplastischen bis teils brüchigen Zustand der
Schmelze vor sich
gingen, in Abhängigkeit zur differenzierten Viskosität in den
Randbereichen
der einzelnen rhyolithischen Vulkanitkörper. Die im vorliegenden
Beitrag
abgehandelten Bruchdeformationstypen werden von den jaspisartigen
Bildungen
einschließlich der Rhyolith-Bodenbrekzien abgegrenzt.
Die Deformationen, welche
durch eine Zerteilung und besonders eine teilweise Brekziierung der
rhyolithischen Kugelhülle unter Einbeziehung des
wandgebänderten Achats charakterisiert werden
(Bruchdeformationstyp A 1, Tab.
2), sind ursächlich mit den spezifischen Platznahmeprozessen der
Lava in Teilbereichen
der oberen Randfazies vulkanischer Dome, wie beispielsweise
bezüglich des
Felsenschlags bei Gehlberg, verbunden. Dieser Typ ruptureller
Deformationen
stellt das Ergebnis von Vorgängen der Autobrekziierung im Bereich
der
Sphärolithzonen dar. Eine Einbeziehung des
horizontal-gebänderten Achats war dabei
nicht zu beobachten. Die
Platznahmevorgänge der Lava waren vor Ausbildung dieses
Achat-Gefügetyps
bereits abgeschlossen. Bei Rhyolithkugeln, welche innerhalb der unteren
Randbereiche der betreffenden dom-und stromförmigen
Vulkanitkörper vorkommen,
sind demgegenüber ausschließlich die Kugelhüllen durch
die noch in Bewegung
befindliche Lava zerschert und teilweise bis hin zur Brekziierung
rupturell
deformiert worden, wobei erst danach die Achatbildung erfolgte (Typ A
2, Tab.
2), wie beispielsweise die Vorkommen im Baumgartental bei Schmerbach
und nahe
Nesselhof dokumentieren.
Im Gegensatz zu den beiden
oben genannten Bruchdeformationstypen finden sich sehr selten rupturell
nicht
deformierte Rhyolithkugeln vor allem innerhalb der oberen Randfazies
einzelner
vulkanischer Dome, welche dennoch brekziierten Achat vom
überwiegend
wandgebänderten Typ aufweisen (Typ B, Tab.2). Bisher konnten
solche Achate
teils als Bodenbrekzien in Rhyolithkugeln für Fundgebiete bei
Gehlberg,
Finsterbergen und Rotterode nachgewiesen werden. Auf weitere seltene
Funde burchdeformierter Achate von außerhalb des Thüringer
Waldes wird gleichfalls Bezug genommen. Ihre Herausbildung ist
wahrscheinlich mit örtlich begrenzten Veränderungen der
p/t-Bedingungen im Inneren einzelner Rhyolithkugeln in Verbindung zu
bringen und bedarf weiterer Untersuchungen.
Summary
Agate-bearing
rhyolitic spherulites within lower Rotliegend volcanic
rocks of the Thuringian Forest demonstrate
specific features of spherulite zones associated with the volcanic
marginal
facies which is located near the borders of rhyolitic volcanic domes
and lava
flows. In this paper reference is made to selected localities
distributed at
the „Mei-senstein Porphyry“ (Ilmenau formation), at the
Older Oberhof Quartz
Porphyries and Regenbergstein Porphyry (Oberhof formation) and at
the„Komberg
Porphyry“ (Rotterode formation). The localities are exposed in
the northwestern
to the middle part of the Thuringian Forest. Polished sections of rhyolitic spherulites including their agates from localities located in these regions are described and interpreted. They demonstrate various rupture deformations of the fractured and brecciated rhyolitic spherulite-rind and partly of the agate. The rupture deformations of rhyolitic spherulites are integrated in past of the crystallization of spherulites at transformation temperatur interval of the vitrophyric silica-rich melt. For this reason the deformation processes which ceased still above the solidus of melt are dependent on differen-ces in viscosity of the generally highly viscous lava at the margins of rhyolitic volcanic bodies. The described defor-mations are distinguished from jasper and basal breccias composed of fragments of the rhyolitic spherulite-rind which were deposited at the „bottom“ of the former expanded central cavity of spherulites.The deformation processes of rhyolitic spherulites which are demonstrated by fracturing and in particular by a partial brecciation of the spherulite-rind including the wall-banded agate (type A 1 of rupture deformations, comp. table 2) are connected with specific processes of lava emplacement within parts of the upper marginal facies of volcanic domes just like at the Felsenschlag region nearby Gehlberg for instance. This deformation-type is the result of autobrecciation processes relating to rhyolitic spherulites hosted within the spherulite zones as parts of the upper volcanic marginal facies. However, the brecciation of the horizontally layered agate type wasn`t observed. The emplacement processes of lava were completed before this agate type was generated. Further there are rhyolitic spherulites located in the lower level of volcanic domes and of silica-rich lava flows which are characterized by fractured spherulite-rinds only and agate was filled in between later on (type A 2, table 2) like it is represented at localities nearby Schmerbach and Nes-selhof. The fracturing of rhyolitic spherulites especially along shear plains parallel to the flow bands of host-rock and their partial brecciation occured during flow of lava. In
contrast, there are very rare non-fractured rhyolitic spherulites
hosted above all within the upper marginal facies of some volcanic
domes which
demonstrate predominantly brecciated wall-banded agate nevertheless
(type B,
table 2). The generated agate breccia is located partly at the
„bottom“ of the
interior of spherulites which were observed at regions
nearby Gehlberg, Finsterbergen and Rotterode until
now. In
addition to these examples other examples from outside of the Thuringian Forest are shown. The
brecciated chalcedony and agate respectively in the interior of these
non-fractured rhyolitic spherulites indicates probably local changes of
the
p/t-conditions relating to the central cavity of unique spherulites on
which
further investigations are necessary.
BARTHEL, M., KRINGS, M.
& RÖßLER, R.:
Die
schwarzen Psaronien von Manebach, ihre Epiphyten, Parasiten
und Pilze (S. 41-60)
Zusammenfassung
Die
schwarzen Psaronien von
Manebach sind fossile Stämme großer Baumfarne aus dem
Rotliegenden. Vor 200
Jahren entdeckt und damals als schöne „Staarensteine“
in viele klassische
Sammlungen der Paläobotanik aufgenommen, sind sie bis heute Ziel
der
paläontologischen Forschung. Aber erst jetzt ist es nach
verschiedenen
Präparationen gelungen, bei einem 1938 aus dem alten Flussbett der
Ilm
geborgenen Stamm das Zentrum mit seinen Leitbündeln zu
untersuchen. Diese Stele
ist sehr klein und die wenigen Leitbündel sind spiralig locker
angeordnet. Die
Art unterscheidet sich von anderen durch mächtige Platten von
Stützgewebe im
Stammzentrum und wird auf Grund dessen hier als eine neue Art
beschrieben: Psaronius
gimmii, genannt nach Otto
Gimm,
einem großen Sammler und Freizeitforscher des Thüringer
Waldes. Es ist die
Stammbasis eines hohen Baumfarnes, der im unteren Teil von einem
mächtigen,
zweischichtigen Wurzelmantel umhüllt ist. In dessen
äußeren Schichten klettern
epiphytische Farne und Farnsamer empor. Unbekannte
Gliederfüßer haben als
Parasiten die Zellgewebe der Wurzeln zerfressen und Koprolithen
hinterlassen.
Auch haben sich dort verschiedene, im Rotliegenden noch unbekannte
endophytische Pilze angesiedelt. Die Erhaltung der Fossilien ist
ungewöhnlich
gut und muss durch eine sehr frühe Verkieselung des noch aufrecht
stehenden
Stammes erfolgt sein. Woher die kleinen schwarzen Bitumen- oder
Teer-Tröpfchen
im Quarz (Chalzedon) der Versteinerung stammen, ist noch
rätselhaft. Der
Nachweis von Kletterpflanzen und parasitischen Pilzen an fossilen
Baumstämmen
in solch anatomisch hervorragender Qualität ist neu für
Thüringen und eröffnet
künftigen Forschungen viele Möglichkeiten und Verpflichtungen.
Summary:
The black Psaronius
specimens from Manebach represent Early Permian (Asselium)
permineralized/silicified stems and root mantle fragments with
exquisite
anatomical preservation from the late Variscian Thuringian Forest Basin (Thuringia, Germany). The specimens
originate from a siliceous permineralized coal seam within the Manebach
Formation, but have not been found in situ; rather, they were
discovered in the
river bed of the Ilm River
. The locality
belongs to the source region of many of the Early Permian compression
plant
species described by E.F. von
Schlotheim.
The inner
portion
of the root mantle consists of the typical “Staarensteine”
(starling stones) of
the early collectors and researchers around 1800. The origin of this
popular
term derivates from the fact, that the voids resulting from the
disintegration
of the root aerenchymas is secondarily filled with white Chalcedony,
which
reminded the collectors of the chest plumage of the European Starling
The black-colored Psaronius specimens have historically been
assigned to P.
haidingeri Stenzel
1854.
However, this
assignment had no real basis in fact since only root mantle segments
but no
stems showing the organization of the stele had been known. In 1938, Mägdefrau discovered the
first complete
stem base, which he mentioned, but did not describe in detail, in his
well-known German textbook. As a result of hydrofluoric acid-etching of
a
polished surface of this specimen, we have uncovered details of the
stele and
associated tissues. The actual stem is narrow in diameter and
surrounded by a
sclerenchyma sheath that shows several interruptions. The vascular
tissue is
organized in 2 to 3 rings (di- to tricyclic), each consisting of a few
narrow,
band-like meisteles. Sclerenchyma plates occur between the peripheral
and
central meristeles. Based on the distinctness from other Psaronius
species that contain leaf traces in a 3 and 5 helical phyllotaxis, we
propose a
new species, P. gimmii n. sp., for this specimen. It is not
possible to
trace the ontogenetic development of the stele since the material is
limited to
a single transverse section. Nevertheless, the extensive root mantle in
comparison
to the very small stele indicates that Mägdefrau’s
fossil represents the base of a stem. The peripheral portion of the
root mantle
forms its own ecosystem as demonstrated by the presence of numerous
axes,
petioles, and roots of epiphytic ferns and seed ferns. Moreover, all
tissues of
the roots, as well as the cortical tissues between the individual
roots, are
colonized by a diverse assemblage of endophytic fungi from several
taxonomic
groups. In addition, most of the roots in the periphery of the root
mantle
contain coprolites produced by some unknown arthropods. Taphonomic
observations
suggest to us that the black Psaronius specimens were
permineralized in
situ and that fossilization occurred either when the trees were
alive, or
shortly after death.
SCHNEIDER, J. W. &
WERNEBURG R.:
Arthropleura, der
größte
landlebende Arthropode der Erdgeschichte - neue Funde und neue Ideen
(S. 61-86)
Zusammenfassung
Der
gigantische, bis 2,5 m lange Arthropode Arthropleura
war mindestens vom späten Visean des Unter-Karbon bis zum tieferen
Unter-Rotliegend
bzw. frühen Perm für mehr als 35 Millionen Jahre ein
häufiges Faunenelement in
den kontinentalen Biotopen des Jungpaläozoikum. Die Funde von
Manebach im
Unter-Rotliegend des Thüringer Wald-Beckens dokumentieren sein
wahrscheinlich
letztes Vorkommen. Sie sind jedoch vor allem deshalb interessant, weil
sie
nicht wie die Mehrzahl der übrigen Funde auf Halden des
Steinkohlenbergbaues
gefunden, sondern aus dem Anstehenden geborgen wurden. Arthropleura
ist in der Manebach-Lokalität in Schluffsteinen der Flussauen
überliefert, welche bei Rückgang der Fluten von
Hochwasser-Ereignissen
abgelagert wurden. Diese Schluffsteine enthalten eine Flora, die
repräsentativ
für die Vegetation der Flussufer und Überflutungsebenen
außerhalb der
kohlebildenden Moore ist. Kiesig-sandige Flussrinnen-Sedimente im
Profil
lieferten Skelettreste von um 1,5 m langen eryopiden Amphibien und
(selten) von
pelycosauriden Reptilien (Synapsiden). Die Analyse von
Arthropleuriden-Fährten,
zumeist in Rotsedimenten von Nordamerika gefunden, unterstützt die
Lebensraum-Rekonstruktion: Arthropleura
lebte zusammen mit semiaquatischen Eryopiden und terrestrischen
Pelycosauriern
bevorzugt in Flusslandschaften mit lockerer, zumeist von Calamiten
dominierter
Vegetation in einem relativ breiten Klima-Spektrum von immerfeucht
humid bis
saisonal trocken semihumid. Der Gigantismus einiger Arthropoden des
Paläozoikums, wie der von bis zu 2,5 m langen marinen Eurypteriden
im frühen
Devon, der riesigen Insekten, wie Meganeura,
im Karbon und auch der von Arthropleura,
wird oft auf angeblich erhöhten Sauerstoffgehalt der
Atmosphäre in diesem
Zeitraum zurückgeführt. Dies trifft jedoch nicht zu, da
Tracheen-Atmung nicht
passiv per Diffusion allein erfolgt, sondern aktives Pumpen
einschließt. Der
Gigantismus scheint vielmehr die Cope´sche Regel zu
bestätigen, welche besagt, dass
Riesenwuchs Vorteile in der Evolution verschaffen kann. Wir vermuten,
dass der
Riesenwuchs von Arthropleura aus
einem Räuber-Beute-“Wettkampf” mit Amphibien und
Reptilien resultierte, in dem
die vermutlich selbst räuberische karnivore Arthropleura
letztlich jedoch gegen die zunehmend agileren Reptilien unterlag. Das
Aussterben dieses größten jemals auf der Erde lebenden
Arthropoden wurde jedoch
vor allem durch ein phasenhaft zunehmend arideres Klima verursacht, das
seine
Lebensräume im frühen Perm verschwinden lies.
Summary
The giant up to 2.5 m
long arthropod Arthropleura was a common
element of late Paleozoic continental biota of the paleo-equatorial
belt
throughout more than 35 million years time span of its occurrence from
the
Early Carboniferous late Visean (FOD; Middle Mississippian,
Asbian/Brigantian)
to the Early Permian Lower Rotliegend (LOD = ?LAD; Asselian). The finds
from
the Lower
Rotliegend
locality Manebach of the Thuringian Forest Basin probably represent
its stratigraphically youngest occurrence. These fossils are
extraordinary
because they have not been collected from coal mining dumps as most
previous
finds but have been excavated from bedrock. The Manebach specimens of Arthropleura occur in siltstones of river
lowlands which have been deposited during the decline of the water
level after
a high-water event. These siltstones include a flora which is
representative
for riverbank and floodplain vegetation outside the peatforming swamps.
Gravelly to sandy channel deposits yielded skeletal remains of about
1.5 m
large eryopid temnospondyls and (rarely) pelycosaurid synapsids. The
analysis
of arthropleurid trackways, which are mainly known from North American
red
beds, confirm this habitat reconstruction: Arthropleura co-occurred
with semi-aquatic eryopids and terrestrial
pelycosaurs in open
river landscapes with loose vegetation that was most often dominated by
calamites. These palaeoenvironments occurred in a broad range of
climatic
conditions from ever-humid to semihumid and seasonally dry. The
gigantism of
some Palaeozoic arthropods, such as the 2.5 long marine eurypterids
from the
Early Devonian, large insects like Meganeura
from the Carboniferous, and Arthropleura,
has often been related to the allegedly higher oxygen concentration of
the
atmosphere during late Paleozoic times. Yet this explanation is
inadequate
given the functioning of trachea expiration which not exclusively
relies on
diffusion but also includes active pumping. In fact the gigantism
appears to be
more in accordance with Cope’s
rule which says that the evolution of gigantism can have advantages. We
assume
that the gigantism of Arthropleura is
the result of a predator-prey competition with amphibians and reptiles
in the
course of which the predaceous Arthropleura succumbed
to the increasingly agile tetrapods. However, the
extinction of
this largest-ever arthropod was primarily caused by a stepwise increase
in
aridity which led to the disappearance of its habitats in the Early
Permian.
REIN, S. & WERNEBURG,
R.:
Parapinacoceras
und Gymnites (Ammonoidea) aus
der enodis/posseckeri-Zone im
Oberen Muschelkalk (Mitteltrias, Ladin) Thüringens (S. 87-100)
Zusammenfassung
Aus
der enodis/possseckeri-Zone
des Oberen Muschelkalks in Thüringen werden erstmals alpine
oxycone Ammoniten
der Familien Pinacoceratidae Mojsisovics
1879 und Gymnitidae Waagen 1895 nachgewiesen. Die Immigranten sind Morphen
der Gattungen Parapinacoceras Diener 1916 und Gymnites Mojsisovics
1882. Sie werden nach erfolgter reproduktiver Isolation im Oberen
Muschelkalk-Meer
Thüringens als neue Arten Parapinacoceras
thiemei n. sp. und Gymnites brunzeli
n. sp. beschrieben. Der im
Vergleich mit Parapinacoceras aspidoides
um ein Adventivelement vergrößerte Zerschlitzungsgrad des
Externsattels von Parapinacoceras thiemei n. sp.
belegt seine
phylogenetische Weiterentwicklung. Folglich sind die Rotkalke der
Schiechlingshöhe aus dem Anis/Ladin Übergangsbereich
älter als die damit
gesichert ins Ladin zu stellende enodis/posseckeri-Zone.
Der Übergangsbereich im Liegenden zur spinosus-Zone
entspricht jedoch nicht gleichzeitig der Anis/Ladin-Grenze. Eine
zeitlich eng
begrenzte Korrelation zur Anis/Ladin-Grenze der Tethyalen Trias
lässt die
endemische Entwicklung im Germanischen Becken nicht zu. Sie dürfte
nach dem
Fund eines Flexoptychites in
Nordwürttemberg (Urlichs
& KurzweilSpiriferina-Bank
liegen.1997) jedoch nur wenig über der Spiriferina-Bank
liegen.
Summary
Alpine
oxycone ammonites of the families Pinacoceratidae Mojsisovics
1879 and Gymnitidae Waagen 1895
are firstly presented from the enodis/posseckeri-zone
of Upper Muschelkalk (Middle Triassic,
Ladinian) in Thuringia. The immigrants are morphs of
the genera Parapinacoceras Diener 1916
and Gymnites Mojsisovics 1882. They are
described
after reproductive isolation in the Upper Muschelkalk-Sea of Thuringia as the new species Parapinacoceras thiemei
n. sp. and Gymnites brunzeli n. sp.
The more advanced shape of sutures in
Parapinacoceras thiemei n. sp.
corroborates the Ladinian age of the enodis/posseckeri-zone,
because Parapinacoceras aspidoides from
the Red Limestone of Schiechlingshöhe near Hallstatt from the
Anisian/Ladinian-boundary is phylogenetically more primitive and
therefore
biostratigraphically older.
But the
transitional region below the spinosus-zone
is not automatically equivalent with the boundary of Anisian and
Ladinian. The
endemic development in the Germanic Basin does not permit a detailed correlation
to the Anisian/Ladinian-boundary in the Tethyal Triassic. It is
probably
positioned only few above the Spiriferina-bed
according to the find of Flexoptychites
in northern Württemberg (Urlichs
&
Kurzweil 1997).
FRANK GÜMBEL:
Zwei Libellenreste (Odonata,
Anisoptera) aus dem
Unter-Miozän des Dietrichsberg-Maar, nördliche Rhön (S.
101- 103)
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