PUBLIKATIONENVeröffentlichungen des Naturhistorischen Museums Schleusingen Periodicum mit biologischen und geologischen Beiträgen zur Naturgeschichte Thüringens (ISSN 0863-6338) Band 24, 2009 (106 Seiten, Preis: 8 €)
WERNEBURG,
RALF &
SOMMER, GEORG: Seit 2008 sind im neu eröffneten Foyer des Naturhistorischen Museums Schloss Bertholdsburg Schleusingen zwei überregional bedeutende Fossilplatten zu sehen. Die sehr große Fährtenplatte mit Chirotherium barthii und weiteren Saurierfährten stammt aus dem Thüringer Chirotherien-Sandstein des Mittleren Bundsandsteins (Solling-Formation, Trias) vom locus typicus im WINZER´schen Steinbruch bei Hessberg nahe Hildburghausen. Die etwa 1 Tonne schwere Handtier-Fährtenplatte schwebte aus dem 3. Geschoss vom Meininger Museum Schloss Elisabethenburg durch ein Fenster dank Autokran sacht abwärts und konnte so nachträglich in das Schleusinger Museum überführt werden. Die zweite Fossilplatte zeigt drei Skelette des xenacanthiden Süßwasser-Hais Orthacanthus (Lebachacanthus) senckenbergianus aus dem saarpfälzischen Rotliegend (Meisenheim-Formation, M 6, Perm). Sie wurde von einem Grabungsteam um Arnulf und Harald STAPF vom Paläontologischen Museum Nierstein bei Niederkirchen ausgegraben und fast 1,5 Jahre lang am Schleusinger Museum präpariert. Erhalten sind zwei Männchen und ein juveniles Exemplar, wobei das größere Männchen eine Länge von 2,15 m erreicht und auch als Lebendrekonstruktionsmodell im Foyer präsentiert wird.
Neufunde von Janassa korni aus dem Kupferschiefer von Eisleben und Sangerhausen aus den letzten 10 Jahren tragen zur Aufklärung des Körperumrisses bei. Damit ist es erstmalig möglich, eine Gesamtkörperrekonstruktion zu zeigen. Diskutiert werden die Unterschiede in Körperbau und im Gebissaufbau zu Janassa bituminosa sowie die paläogeographischen und paläoökologischen Verhältnisse im Mansfelder Raum auf Grund des sehr begrenzten Vorkommens dieses seltenen oberpermischen petalodonten Elasmobranchiers. Summary New finds of Janassa korni from Kupferschiefer of Eisleben and Sangerhausen from the last 10 years allow at first time a body outline reconstruction. The differences of the body-outline and of the set of teeth to Janassa bituminosa and palaeoecology and palaeogeography in the Mansfeld area were discussed because of a relatively isolated occurrence of this rare Upper Permian petalodont elasmobranch in this area.
Fossilien ermöglichen uns eine einmalige Einsicht in vergangene Lebensformen. Deshalb haben Paläontologen schon seit den frühen Tagen der Paläontologie immer wieder versucht, fossile Organismen zu rekonstruieren und in ihrer Umwelt darzustellen. Dieser Beitrag präsentiert eine Auswahl von Rekonstruktionsdar- stellungen der Sumpflandschaft des Unteren Keupers der germa notypen Trias (Lettenkeuper, Erfurt-Formation, Ladinium, Trias). In chronologischer Reihung werden Abbildungen und Zeichnungen besprochen, beginnend mit Keuper- Rekonstruktionen ab der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts bis hin zu neu erstellten Dioramen der jüngsten Zeit. Wegen der fragmentarischen Erhaltung der fossilen Unterkeuperpflanzen wurde der Problematik der Einzelpflanzen-Rekonstruktion besondere Beachtung geschenkt. Summary: The fossil record offers us a unique perspective on life and provide direct evidence of ancient environments. Derived from this fossil inventory, since the early days of palaeontology fossil organisms and their habitats have been reconstructed in the mind of palaeontologists. This contribution provides a selection of
Die Achat-Fundstelle bei Studen Kladenets liegt inmitten des oligozänen Vulkangebietes der Momchilgrad-Arda-Region im östlichen Rhodopen-Gebirge. Das aus mehreren Tälern und Bergmassiven bestehende Fundgebiet enthält im anstehenden Andesit eine Vielzahl von mineralisierten, ehemaligen Blasenräumen, die in Einzelfällen bis über 1 m Größe erreichen können. Deren Variabilität in Form und Ausfüllung wird in zahlreichen Beispielen gezeigt und erläutert. Besondere Besprechung erhalten die Horizontallagen-Achate und die sog. „Pseudostalaktiten“. Letztere werden in ihrem Zusammenhang mit „silikatgewächsähnlichen“ Gebilden ausführlich dargestellt. Die Silikatgewächse unterlagen bei ihrer Entstehung zweifelsfrei einem gravitativen Einfluss. Ihre bevorzugte, senkrecht nach unten gerichtete Orientierung innerhalb des Bildungsraumes widerspricht herkömmlicher Lehrmeinung. Der grundsätzliche Unterschied zu tropfsteinartigen „echten“ Stalaktiten wird hervorgehoben. Das hohe Kieselsäure-Potential in der Fundregion entstammt möglicherweise dem abschließenden, sauren Trachyrhyolith-Vulkanismus im Gebiet zwischen Kârdzâli und Studen Kladenets. Aus archäo-gemmologischer Sicht besteht für die Fundregion – mit ihren für europäische Verhältnisse ungewöhnlich groß dimensionierten Achaten und den daran festzustellenden Merkmalen – die Aussicht, dass aus dieser Gegend die Rohsteine für die Anfertigung der legendären antiken Sardonyx-Gefäße stammen.
Der Dinkelshaak bei Wiedersbach ist eine kleine Muschelkalkkuppe innerhalb des Südthüringer Buntsandstein-Waldlandes. Die etwa hektargroße Kuppe wird überwiegend von Kalk-Halbtrockenrasen und in ihrem Südteil von Kalk-Schotterfluren eingenommen. In den Jahren 2001 und 2008 wurden die Vorkommen der Blütenpflanzen, Heuschrecken, Tagfalter & Widderchen, Reptilien und Brutvögel untersucht. Es wurden insgesamt 88 Arten Blütenpflanzen, 13 Arten Heuschrecken, 44 Arten Tagfalter & Widderchen, 3 Reptilien- und 2 Brutvogelarten festgestellt. Das Gebiet beherbergt insgesamt 47 besonders geschützte und 33 Rote Liste-Arten. Aufgrund seiner Einzigartigkeit wurde der Dinkelshaak 2003 als Geschützter Landschaftsbestandteil durch den Landkreis Hildburghausen festgelegt. Die Pflege erfolgt durch eine zeitweise Beweidung mit Schafen und Ziegen.
Über 44 Jahre beobachtete der Verfasser die Brutvorkommen des Kiebitzes in der Bad Salzunger Werraaue und in den anderen Landschaften des Wartburgkreises. In dieser Zeit hat die Zahl der Brutpaare ungewöhnlich stark abgenommen. Während Ende der 1960er Jahre noch regelmäßig 50 Paare brüteten, sind es jetzt nur noch 5 bis 10. Diese extreme Bestandsabnahme zeigte sich auch in anderen Brutgebieten des Mittelgebirgsraumes. Hauptursachen für den Niedergang der einst stabilen Population sind schrumpfende Optimallebensräume, hohe Gelegeverluste durch Raubsäuger und eine große Kükensterblichkeit infolge von Nahrungsmangel. Für den Erhalt und die Stabilisierung der letzten Vorkommen sind der Schutz der Gelege und des umgebenden Lebensraumes dringend erforderlich. Nur durch gezielte Absprachen mit den Bewirtschaftern der Bruthabitate und mit deren Bereitschaft zur Mithilfe könnte das sich abzeichnende Verschwinden dieses vor 100 Jahren noch landschaftstypischen Wiesenvogels abgewendet werden. Diese Seite drucken. |
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